Ballengang und Barfußlaufen: Mit der natürlichen Art zu gehen Rückenschmerzen und Gelenkprobleme beseitigen

Ballengang und Barfußlaufen: Mit der natürlichen Art zu gehen Rückenschmerzen und Gelenkprobleme beseitigen

Was, wenn „richtiges“, anatomisch-physiologisch sinnvolles Gehen und Laufen eigentlich ganz anders geht, als es uns vorgemacht und gesagt worden ist.

Nicht nur Ökos, Hippies und Baumumarmer, auch Faszien- und Körpertherapeuten und zum Glück auch einige Mediziner schwören darauf, dass allein eine Umstellung unseres gewohnten Gehverhaltens auf den Ballengang bzw. den Vorfußlauf wahre Wunder für unsere allgemeine Gesundheit und unser körperliches Wohlbefinden bewirken kann.

Das Abrollen über die Ferse ist nicht „normal“ und natürlich, sondern die kulturell bedingte Folge fersen-gepolsterter Schuhe

Wer sich einmal mit dem Ballengang und dem Vorfußlauf beschäftigt und ihn ausprobiert hat und ihn mit dem uns bisher bekannten, als normal verkauften Fersenlauf vergleicht, ist schnell überzeugt, dass es sich beim barfuß(ähnlichen) Gehen und Laufen, federnd auf den Fußballen, um das physiologisch einzig vernünftige Laufen handelt.

Das seit ein paar Jahrzehnten, seit Entwicklung des gepolsterten Laufschuhs Anfang der 1970er Jahre, bekannte Joggen mit dem Landen auf der Ferse mit langen Schritten, stellt sich aus dieser neuen Perspektive schlagartig als ziemlicher Blödsinn heraus.

Erfahrene Lauftrainer (und übrigens auch die Schuhhersteller) wussten das schon damals und haben die neuen gepolsterten und gedämpften Schuhe aufgrund der signifikant höheren(!) Verletzungsfälle schnell wieder rausgeworfen (also, die Trainer, nicht Nike und Co.;) und sind zu den flachen Schuhen zurück gekehrt. Schön nachzulesen in McDougalls Ballenläufer-Epos „Born to run“.
Ballengang und Vorfußlaufen - die besten Läufer

Betriebsblindheit – oder: Der moderne Mensch geht ver-rückt

Es lässt sich immer wieder feststellen: Wir haben die Beziehung zu unserer natürlichen Art und Weise zu leben, zu essen und uns zu bewegen weitestgehend verloren. Wir sind inzwischen völlig verkopfte Kulturwesen – benötigen unseren Körper aber „leider“ nach wie vor.

In seinen ersten zwei, drei Lebensjahren lernt der kleine Mensch das Gehen. Diese allerersten Schritte macht er zum Glück meist noch ohne Schuhe, und zwar auf dem Vorfuß, oder Ballen.

Schnell erhält er dann Schuhe („Lauflernschuhe“?!), meist bereits mit leichter Fersenerhöhung, und schaut sich bei den Erwachsenen „das Abrollen über die Fersen“ ab. Weil die ja wissen müssen wie man natürlich geht … ;)

Nach noch einigen weiteren Jahren „braucht“ dieser kleine Mensch aufgrund zunehmender Fuß-, Gelenk- und Rückenprobleme dann immer technisch aufwendigere Schuhe mit Dämpfung und Pronationsstützen, Einlagen (alles Formen von Krücken), … Rückenschule, Krankengymnastik, Medikamente, Gelenkersatzoperationen, Reha-Maßnahmen – und Pflege.

Entschuldige diese zugespitzte Darstellung, wenn du dich aber umschaust ist sie nicht wirklich übertrieben.

Dabei ist die Erkenntnis nicht so neu, dass die natürliche, evolutiv entwickelte menschliche Art zu Gehen und zu Laufen wohl der Gang und der Lauf über den Mittelfuß und den Ballen, den vorderen Teil des Fußes, ist. In letzter Zeit wird diese neue alte Erkenntnis zunehmend publik gemacht – wenn sie auch noch nicht der öffentlichen Lehrmeinung entspricht, wie am Beispiel unten veranschaulicht. Aber das kommt schon noch.

Schauen wir uns bis dahin einmal beispielhaft in dem folgenden 7-minütigen Fernsehbeitrag an, wie Wissenschaftler mit allen technischen Raffinessen herausfinden und nachweisen, dass Rückenschmerzen aller Wahrscheinlichkeit nach in vielen Fällen von unserem aufrechten Gehen und Laufen herrühren, da der Aufprall über die Ferse(!) zu fortlaufenden, ungebremsten starken Erschütterungen durch das gesamte Skelett, über das Fersenbein bis hoch zum Kopf, führt:

Das Aufprallen auf der Ferse knallt durch den ganzen Körper – wird aber selbst nicht hinterfragt, weil ja „normal“ …

„Wenn die Ferse aufsetzt, gibt es einen Stoß. Dieser Stoß wird normalerweise abgefangen: Bevor die Ferse aufsetzt, spannt sich die Rückenmuskulatur an“ heißt es da. – Ist das so? Und was ist eigentlich mit den Knie-, Hüft- und Illiosakralgelenken, die noch vor der Rückenmuskulatur liegen? Die Armen.

Der Wissenschaftler in dem Beitrag kommt weiterhin zu dem Schluss, dass die „Rückenmuskulatur bei Rückenschmerzpatienten aus dem Takt kommt, weil dem Muskel die Kraft fehlt.

Dies wird wiederum hochtechnisiert in einem aufwendigen, schwenkbaren High Tech Muskelkrafttestgerät nachgewiesen. (Dabei stellt sich dann allerdings heraus, dass angeblich meist die Bauchmuskulatur zu schwach ist, nicht die Rückenmuskulatur. Mal abgesehen davon, dass Normwerte – in diesem Fall für eine „normale“ Rücken- und Bauchmuskelkraft – immer mehr oder weniger willkürlich festgelegt werden.)

Selbst auf den Vergleich mit dem Steinzeitmenschen kommt der Universitätsprofessor. Es gäbe trotz des ungünstigen aufrechten Gangs eine Lösung: Wir müssten uns wieder so regelmäßig und vielfältig bewegen wie unsere Vorfahren. – Wunderbar!

Aber im Fersengang?? Waren unsere Vorfahren, und sind noch lebende Naturvölker, denn im Fersengang und beim Laufen auf der Ferse aufprallend unterwegs, so wie wir beim Joggen?!?

Beim Gehen wird es aus Gewohnheit und zumindest auf ebenem Boden oft noch nicht automatisch deutlich genug (die Meisten gehen, weil so selten, auch barfuß wie mit Schuhen), aber laufen würde ohne Fersen-gepolstertes Schuhwerk kein Mensch über die Fersen! Probier es einmal aus. Und er hat es in den letzten Jahrhunderttausenden und -millionen nie getan.

Die entscheidende kleine Gewichtsverlagerung von der Ferse auf den Zehenballen wird in dem Beitrag einfach nicht gemacht. Als wäre der Fersengang ein Naturgesetz.

Erst wenn der Ballengang oder -lauf eingesetzt wird, läuft man/frau aber butterweich und federnd in der Muskel-, Sehnen-, Faszien-„Kette“! Dann, und nur dann, springen alle Muskeln und Bindegewebsstrukturen rechtzeitig und umfänglich an.

Beim Lauf über die Ferse knallt der Impakt immer direkt über die Knochen, man läuft ungebremst in der „Knochenkette“. Es findet keinerlei elastische Vorspannung und vorbereitende Propriozeption (Bewegungsempfindung/Tiefensensibilität) statt. Wie denn auch.

Die bewegungs-empfindende Funktion der Fußsohle und die federnde, dämpfende Wirkung des Fußgewölbes und der Sprunggelenke werden beim klassischen Joggen mit dick gepolsterten Schuhen und langen Schritten mit Fersenaufsatz weitestgehend ausgeschaltet. Man läuft in dieser (propriozeptiven) Hinsicht wie blind! Fußblind.

Wie sollen da, völlig „überrascht“ vom Aufprall, die Muskeln nicht „den Takt“ verlieren?!

Nur beim Ballengang und Vorfußlauf kommen die natürlichen Federmechanismen von Fußgewölbe, Plantarfaszie, Sprunggelenk und Achillessehne voll zu Tragen.

Es ist schon faszinierend welche, natürlich von aufwendigen Apparaten gestützte, Begründungs- und Beweisketten man konstruieren und Lösungen (hier Präventions-Maßnahmen zur Muskelstärkung) ableiten kann – alles basierend auf einer unhinterfragten Grundannahme.

Ballengang und barfuß laufen vorsichtig angehen – aber ausprobieren!

Falls du es ausprobieren möchtest, gehe den Wechsel auf den Ballenlauf / Vorfußlauf langsam und geduldig an. Im Vergleich zu deinem gewohnten Jogging-Pensum etwa solltest Du für ein paar Monate deutlich zurückschrauben und weniger und kürzer laufen. Natürlich dürfen auch barfuß ähnliche Schuhe getragen werden, um den Fuß vor Steinen, Scherben und allzu rauen Asphalt-Böden zu schützen.

Die aller erste Umstellung auf diese Bewegungsart wäre noch vor dem Laufen allerdings das barfuß Stehen und Gehen.

Also: Immer wieder und zunehmend raus aus den schmalen, hochhackigen Schuhen und den Füßen barfuß, auf Socken oder in „Turnschläppchen“ wieder ihre natürliche Freiheit und Funktion zurück gegeben! :-)

Unter barfuss.net, ballengang.de oder unter equilibriumstate.de findest du ausführliche Informationen und Anleitung, für ein natürliches Gehen und Bewegen.

Hier der empfehlenswerte, kurzweilig geschriebene Bestseller zum Thema: Christopher McDougall: „Born to run. Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt“.

Die günstigsten barfußähnlichen Schuhe (für die nicht nass-kalte Jahreszeit) die ich entdeckt habe, sind einfach Aquaschuhe.

Bleib dran an diesem Thema und entdecke dein Gehen und Laufen neu! Dein gesamter Körper aber auch deine Psyche werden es dir danken. Barfuß gehen entspannt. :)



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